Depressive: Wann man depressiv ist und was man meistens bei Depressionen tun sollte

"Depressiv" ist ein Begriff, mit dem in unserer Gesellschaft viel herum geschmissen wird. Viele Leute reden bereits davon, wenn sie sich über den Regen aufregen, weil sie deprimiert sind, weil ihr Partner Schluss gemacht hat oder der Job keinen Spaß macht. Doch was ist die Bedeutung von "depressiv" wirklich und was kann man tun, um sich nicht mehr so depressiv zu fühlen?

Test - Bin ich leicht depressiv?

Um zu testen, ob jemand mindestens leichte Depressionen hat, halte ich mich persönlich immer an folgende Fragen. Je mehr diese Antworten von einer Skala von 1 bis 10 positiv zutreffen, kann man von einer mindestens leichten Depression ausgehen, die man langfristig durch Coaching, Persönlichkeitsentwicklung und/oder Therapie ändern kann.

  1. Ich habe meistens gute Laune und fühle mich wohl
  2. Ich stecke voller Energie und Tatkraft
  3. Nachdem ich früh am Morgen aufwache, freue ich mich auf den Tag und/oder kann manchmal gar nicht schlafen, weil ich mich noch mit Dingen beschäftige, die mich begeistern
  4. Ich lasse mich von anderen Menschen nicht aus der Ruhe bringen
  5. Ich habe Interessen, die mich begeistern
  6. Ich akzeptiere mich, wie ich bin und konzentriere mich auf meine Stärken ("wie ich bin" bedeutet nicht, dass man Besitztümer oder bereits Erreichtes mit einbezieht)
  7. Ich kann mich auf meine (berufliche) Tätigkeiten konzentrieren und sie gibt mir Kraft
  8. Ich schaffe, was ich mir vornehme
  9. Ich freue mich auf meine Zukunft und beschäftige mich wenig mit meiner Vergangenheit
  10. Ich verweile im Hier und Jetzt und schweife selten in die Vergangenheit und Zukunft ab

Je mehr von diesen Sätzen auf einer Skala von 1-10 zutrifft, desto unwahrscheinlicher ist es, dass man eine (leichte) Depression hat. In der deutschen Gesellschaft befinden sich die meisten Menschen im unteren Mittelmaß, also bei durchschnittlich 4 Punkten.

DSM 5 Test für Depressive

Kommen wir nun zum professionellen, wissenschaftlich anerkannten Test für Depressionen, der auch von Psychiatern angewendet wird. In der Psychologie wird die Depression in 2 Arten unterschieden:

  • endogene Depression (ausgelöst durch Veränderungen im Gehirn-Stoffwechsel, behandelbar durch Psychopharmaka und auch Therapie)
  • neurotische Depression - Dysthymie (ausgelöst durch Kindheitserfahrungen, falsche Lebensweise, behandelbar durch Therapie)
  • reaktive Depression (ausgelöst durch ein dramatisches Ereignis)

Hierbei ist wichtig zu verstehen, dass folgende zwei Punkte zutreffen müssen, damit wir überhaupt davon sprechen können, dass eine Person depressiv ist:

  • die Probleme treten schon länger als 2 Wochen auf
  • die Stimmung ist extrem abgesackt oder sackt oft extrem ab (extrem depressiv verstimmt und es geht nicht um persönliche oder familiäre Befindlichkeiten)

Folgende Symptome und Anzeichen treten auf, wenn man wirklich Depressionen - Teste dich!

1. Deutliche depressive Verstimmung fast jeden Tag und fast den ganzen Tag (Gefühle von Traurigkeit, Leere, Hoffnungslosigkeit). Entweder erkennt die Person es selbst oder auch andere beschreiben es deutlich.

2. Vermindertes Interesse und Freude für Dinge, für die man sich früher interessiert hat

3. Relativ schnelle Veränderung des Körpergewichts, meist durch mangelnde oder übermäßige Nahrungsaufnahme

4. Schlafstörungen, da zu viel vor und auch in Schlaf nachgedacht wird oder auch Schlaflosigkeit.

5. psychomotorische Unruhe: Innere Unruhe oder auch motorische Unruhe und/oder Antriebslosigkeit

6. Müdigkeit und Energielosigkeit über den Tag

7. Mangelndes Selbstwertgefühl (Gefühle der Wertlosigkeit) und/oder Schuldgefühle

8. Konzentrationsstörungen

9. Gedanken über den Tod (der eigene Tod wird egal, Suizid-Gedanken, Suizid-Planung)

Ich bin depressiv - Was tun?

Wenn Sie auch nur ein wenig das Gefühl haben, dass der DSM 5 Test von eben auf Sie zutrifft, sollten Sie sich schnellstmöglich mit Ihrem Hausarzt unterhalten um mit einem professionellen Psychotherapeuten in Kontakt zu kommen. Eine starke Depressive Episode und/oder Depressionen haben manchmal etwas mit Veränderungen in der Hirn-Chemie zutun. Diese Art "depressiv sein" nennt sich "Endogene Depression". In diesem Fall hilft kein Coaching, keine Beratung und auch keine Therapie sondern nur Medikamente. Lassen Sie sich von einem Therapeuten darauf untersuchen. Falls Veränderungen im Lebensstil erforderlich sind, können Sie dies in einem Coaching oder in einer Psychotherapie ausarbeiten. Lassen Sie sich helfen. Die wenigsten Menschen sind so stark, um in schweren Situationen zu erkennen, was jetzt zutun ist und wo die Probleme liegen.

Weitere Formen der Depression

Wochenbettdepression: Depressive Verstimmung nach der Schwangerschaft, die durch Hormonumstellungen hervorgerufen wird. 10%-15% der Schwangeren sind betroffen. Zu den Symptomen der Wochenbettdepression gehören: starke Stimmungsschwankungen, Gefühle von Traurigkeit, Leere und Hoffnungslosigkeit, sozialer Rückzug, vermindertes Interesse an Aktivitäten, Gefühle von Wertlosigkeit und Überflüssigkeit, Veränderung des Appetits und manchmal auch Angst -und Panikattacken.

Lang anhaltende Depression mit guten Zeiten (oft als Dysthymie bezeichnet): Dauerhaft depressive Verstimmung, die meist länger als 24 Monate besteht, jedoch leichter ist als die richtige Depression. Während der Dauer der Erkrankung gibt es immer wieder Episoden, in denen sie sich glücklich und wohl fühlen. Diese Phasen halten aber nicht länger als 2-3 Monate an. Die Symptome einer normalen Depression liegen dauerhaft und chronisch vor, sind jedoch nicht so stark ausgeprägt. Selbstmordgedanken sind selten.

Winterdepression: Depressiv-Verstimmungen, die von Oktober bis März auftreten. Grund hierfür ist eine affektive Störung, die durch mangelndes Sonnenlicht ausgelöst wird. Unter anderem entsteht diese Depression durch ein Mangel an Melatonin, das wichtigste Schlafhormon. In Deutschland tritt die Winterdepression, im Gegensatz zu nördlich gelegenen Regionen, relativ selten auf. Zu den Symptomen gehören: Unausgeglichenheit, gedrückte Stimmung, Vernachlässigung sozialer Kontakte und Hobbies, Energie- und Antriebslosigkeit, Erhöhtes Schlafbedürfnis und Heißhungerattacken.

Bipolare Depression: Bei der Bipolaren Depression kommt es zu einem Wechsel zwischen depressiven Episoden und manischen Phasen. Manie bedeutet, dass sich Stimmung, Antrieb und auch die Aktivitäten des Betroffenen deutlich über dem Durchschnitt von "normalen Menschen" befindet. Die Manie ist geprägt von Euphorie, Selbstüberschätzung, Größenwahn, rasende Gedanken, vielen Aktivitäten und vermindertes Bedürfnis nach Ruhe und Schlaf.

Weitere Phasen der Depression: Kindheitsdepression (Depressionen die in der Kindheit und Jugend auftreten), Altersdepression, somatogene Depressionen (Depressiv-Verstimmungen, die Begleitsymptome von körperlichen Krankheiten ausgelöst werden, aber auch von Medikamenten, oder durch organische Ursachen). Selten: Die Schöpfungsdepression, welche nach sehr großen Leistungen und Errungenschaften eintritt.

Ich bin depressiv oder generalisierte Angststörung?

Wenn wir uns ständig Sorgen über alles Mögliche machen, kann (mit oder ohne der Depression) auch eine generalisierte Angststörung vorliegen. Die generalisierte Angststörung macht sich durch folgende Symptome bemerkbar: Reizbarkeit, Schwitzen, erhöhte Muskelanspannung, Ruhelosigkeit, leichte Ermüdbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, ständige Sorge, Anspannung, Angst und leichte innere Leere. Davon müssen 3 zutreffen. Oft kommen Gefühle und Gedanken nach oben, die eine bevorstehende Katastrophe beschreiben könnten. Es wird sich ständig Sorgen über viele Bereiche des Lebens gemacht, wie Job oder Gesundheit.

Depressiv oder kein Selbstwertgefühl?

Viele Menschen, die glauben, sie seien depressiv, haben in Wahrheit ein schwaches Selbstwertgefühl. Deshalb hier noch ein paar Worte zu diesem Thema. Wenn die oben aufgeführten Punkte nicht zutreffen und man sich dennoch wertlos und leer fühlt, kann auch ein stark mangelndes Selbstwertgefühl vorliegen. Dieses äußert sich vor allem dadurch, dass man nicht weiß, warum man im Leben macht, was man macht, stark nach dem Sinn des Lebens sucht und sich (insgeheim) minderwertig, gehemmt und manchmal sogar leer fühlt.

Ein mangendes Selbstwertgefühl kann manchmal auch in Verbindung mit anderen psychischen Krankheiten auftreten. Hat man gleichzeitig starke soziale Ängste (Angst vor Menschen) könnte eine soziale Phobie (sehr selten auch eine ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung) vorliegen. Treten zudem starke Stimmungsschwankungen, Angst vor dem Verlassen werden und starke innere Leere auf, kann es sich auch um eine Borderline Persönlichkeitsstörung handeln. An dieser Stelle ist es jedoch am wahrscheinlichsten, dass das mangelnde Selbstwertgefühl/Selbstbewusstsein selbst und/oder eine soziale Phobie vorliegt.

Das Selbstwertgefühl besteht zu einem sehr großen Teil daraus, dass man sich selbst (seine Gedanken, Gefühle, Stärken, Werte und Wünsche) kennt, sich selbst bedingungslos (auch ohne alles) liebt (was nicht bedeutet, dass man auch mehr anstrebt), sich selbst mit allen Problemen annimmt, dankbar für alles ist und Verantwortung für sein eigenes Leben übernimmt. Die meisten Menschen haben mit den ersten 3 Punkten die größten Probleme und wissen oft gar nicht, wer sie selbst sind und was sie wirklich vom Leben erwarten.